Chronik

Die Geburtsstunde des Forum Kultur&Umwelt im Kreis Herzogtum Lauenburg schlug im Januar 2005. Als sich das Forum damals gründete, war dies eine Reaktion auf den Kulturvertrag zwischen Stiftung und Kreis. Der Vertrag war mit den Stimmen der CDU-Mehrheitsfraktion im lauenburgischen Kreistag (Dezember 2004) durchgesetzt worden. Damit wurden Aufgaben der Kulturförderung im Kreis bei der privaten Stiftung Herzogtum Lauenburg gebündelt. Der Beschluss des lauenburgischen Kreistages bildete den Auslöser für die unabhängigen Organisationen, Verbände und kommunalen Einrichtungen im Kultur-, Natur-und Umweltschutzbereich, sich im Forum zusammen zu schließen. Die besondere pluralistische Struktur des neugegründeten Forums kommt im konzeptionellen Ansatz zum Ausdruck, das breitgefächerte kulturelle Angebot interdisziplinär in die Linse zu nehmen und zu verbinden. Insbesondere bei der Durchführung gemeinsamer Veranstaltungen geht es dem Forum auch darum, als Plattform zu dienen für die kritische Auseinandersetzung mit der Politik im Kreis.

Als Forum-Sprecher wurden auf der Gründungsversammlung Dr. William Boehart (Lauenburgischer Kunstverein), Hans-Heinrich Stamer (Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland) und Dr. Werner Budesheim (Freie Lauenburgische Akademie) gewählt.

 

Das vom Kreistag am 4. März 2004 beschlossene Konzept hatte zunächst vorgesehen , alle unabhängigen Kulturträger im Kreis an der Kulturförderung zu beteiligen. Da der im Frühjahr gefasste Beschluss des Kreistages nicht eingehalten worden war, ergab sich aus Sicht der betroffenen Organisationen ein entscheidender Konstruktionsfehler des Vertrages, den sie in einer Resolution des Forums vom Januar 2005 deutlich machten: Die unabhängigen Vereine, Verbände und Einrichtungen im Forum kritisierten darin die fehlende Transparenz und Mitbestimmung bei der Verteilung von öffentlichen Fördergeldern durch die Stiftung. Sie führten zudem rechtliche Gründe an gegen die im Vertrag festgelegte Zuwendung in Höhe von jährlich 180.000 €, die der Kreis der Stiftung für die Koordination der Kulturarbeit zur Verfügung stellt. Der Stiftung wird damit die Rolle einer „zentralen Kulturinstitution“ vom Kreis übertragen. Die so von der Stiftung abhängige Kulturförderung stellt einen Geburtsfehler des Vertrages dar, der bis heute das Verhältnis vieler Kulturschaffender zur Stiftung belastet und einer Zusammenarbeit entgegensteht.

 

Mit einer mehrwöchigen Veranstaltungsreihe im Kreisgebiet präsentierte sich das Forum Kultur&Umwelt erstmals im Jahr 2006 unter dem Motto „Knick in der Linse“. In den Anfangsjahren musste das Programm mit bescheidenen Mitteln bestritten werden; ein Zuschuss kam zunächst nur von der Bingo!-Projektförderung, und die Deutsche Umwelthilfe stellte Ausstellungsleihgaben zur Verfügung. Dagegen gewährte die Stiftung als Kulturstelle des Kreises dem Forum keine Fördermittel; auf den schriftlichen Antrag hin gab es trotz Nachfrage nicht einmal eine Antwort.

Den schwierigen Ausgangsbedingungen zum Trotz konnte das Forum kontinuierlich ein immer breitgefächerteres Spektrum von Veranstaltungen zu einem Umweltthema in Kombination mit kulturellen Angeboten bieten. Es begann mit der Reihe „Knick in der Linse“ im Jahr 2006 und setzte sich 2007 mit „Bach in der Linse“ fort. Ein Sonderfall stellte lediglich das Jahr 2008 dar, als auf ein vielfältiges Programm zu einem Umweltthema verzichtet wurde. Die Aktivitäten konzentrierten sich ganz darauf, eine Verlängerung des Kulturvertrages zwischen Stiftung und Kreis zu verhindern. Dazu veranstaltete das Forum unter dem Motto „Politik in der Linse“ eine Kulturkonferenz und eine Podiumsdiskussion, brachte sich zudem mit Stellungnahmen und Anträgen gegen die Verlängerung des Vertrages in Kreistagssitzungen und im Kreisbildungsausschuss ein, um auf diese Weise Position zu beziehen gegen die kulturpolitische Linie der CDU-Mehrheit im Kreistag. Dennoch verlängerte die CDU-Mehrheit den Vertrag noch vor der Kommunalwahl im gleichen Jahr. Schließlich verlor die CDU bei den Kommunalwahlen ihre absolute Mehrheit im Kreistag.

 

Im Jahr 2009 veranstaltete das Forum seine vierten Kultur-und Umweltwochen unter dem Motto „Wald in der Linse“. Es wurde wieder eine bunte Palette aus Exkursionen, Lesungen und Vorträgen zusammen mit Umweltbildungsaktivitäten sowie künstlerischen Aktionen angeboten. Nach mehreren nicht bewilligten Zuschußanträgen an den Kreis erhielt das Forum K&U für sein Projekt "Wald in der Linse" 2009 erstmals eine Förderung direkt vom Kreis in Höhe von 10.000 €. Zudem bekam die Umweltreihe in jenem Jahr eine besondere publizistische Note durch die Veröffentlichung eines kleinen passend illustrierten Gedichtsbandes zum Thema "Baum in der Linse", den die Freie Lauenburgische Akademie (FLA) als Mitveranstalter im Forum herausgab.

Auch für seine fünfte gemeinsame Kulturveranstaltung im Jahr 2010 stellte das Forum wieder ein vielfältiges Programm zusammen, das diesmal unter dem Motto „Grenzen in der Linse“ stand. In Anlehnung an den Mauerfall 1989 befassten sich eine Reihe Veranstaltungen mit der ehemaligen innerdeutschen Grenze und Erfahrungen der Bewohner im unmittelbaren Grenzgebiet zwischen Bundesrepublik und DDR. Es ging in dieser Veranstaltungsreihe aber auch um weitere Grenzen in den unterschiedlichsten Ausprägungen: in der Natur, beim Klimawandel, in der Geologie, der Wirtschaft, der Kultur und der früheren Geschichte des Kreises.

 

Eine Änderung erfolgte im gleichen Jahr auf personeller Ebene, als Dr. Bettina Stiller neu zum Sprecher-Trio des Forums hinzukam und Dr. Werner Budesheim von der FlA ablöste.

Das Konzept, ein Natur-und Umwelt-Thema mit kulturellen Angeboten zu verbinden, ging auch bei der sechsten Veranstaltungsreihe des Forums im Herbst 2011 auf: In einem abwechslungsreichen Mix aus Vorträgen, Exkursionen und Besichtigungen zusammen mit Beiträgen aus Kunst, Musik und Literatur wurde das Thema Energie „in die Linse“ genommen. Viele Veranstaltungen befassten sich mit den Möglichkeiten einer Energieversorgung ohne Uran und fossile Brennstoffe und im Zusammenhang mit Fragen der Energieerzeugung auch mit Klimaschutzproblemen. Mit der Nuklearkatastrophe von Fukushima und den dadurch ausgelösten Diskussionen um einen Atomausstieg erhielt das Thema Energie dann einen besonderen Aktualitätsbezug.

 

Angesichts der Herausforderungen der Energiewende für die Gesellschaft wurde den Veranstaltern alsbald deutlich, dass sie neue Wege beschreiten mussten, wollte man mit beitragen zu einem Bewusstseinswandel bei den erneuerbaren Energien und der Energieeffizienz. So entstand aus der Idee, beim nächsten Projekt über die klassische Informations-und Diskussionsveranstaltung hinaus auch ganz konkret und praxisnah Möglichkeiten für eine Energiewende aufzuzeigen, das Konzept, eine Konferenz mit Messe und einem Markt der Möglichkeiten zu kombinieren.

Zum Herzstück des Projekts gehörte eine Konferenz mit vier Themenreihen, die zentrale Aspekte der Energiewende behandelte. Dabei reichte das Spektrum der Vorträge von Energieeffizienz und Klimaschutz im Betrieb über erfolgreiche Wege einer kommunalen dezentralen Energieversorgung bis hin zu Energiesparkonzepten für Privathaushalte.

Das Thema "nachhaltige und zukünftige Energieerzeugung und -nutzung" bleibt auch in Zukunft für das Forum aktuell. Dazu sollen Kontakte genutzt werden, die im Zusammenhang mit der Veranstaltungsreihe "Energie in der Linse" sowie der "Energiewende-Messe" entstanden sind mit dem Ziel, den Aufbau eines Netzwerks mit zahlreichen regionalen Akteuren voranzubringen, um so beizutragen zu einer energieautarken Region Herzogtum Lauenburg.

Ein Schwerpunkt für die diesjährigen Forum-Aktivitäten ergab sich aus den anstehenden Kommunalwahlen in Schleswig Holstein im Mai: So rückte der im Jahr 2005 in Kraft getretene und 2008 noch vor den Kommunalwahlen verlängerte Vertrag mit der Übertragung der Kulturarbeit auf die private Stiftung Herzogtum Lauenburg wieder in den Fokus des Engagements. Die Programmkonferenz des Forums im Februar mit der dort verabschiedeten Resolution und die am 14. März 2013 in Schwarzenbek (Schröders Hotel) veranstaltete Podiumsdiskussion setzten zugleich wichtige Signale für eine Neugestaltung der Kulturpolitik im Kreis. So wurde die mit den Stimmen fast aller im Kreistag vertretenen Parteien beschlossene Verlängerung des Kulturvertrages nach den Kommunalwahlen im Juni mit der Aufforderung an die Stiftung nach stärkerer Tranzparenz und Kontrolle in der Kulturarbeit verbunden. Dazu gehörte neben der Einbindung aller Interessierten in die Kulturarbeit und einem jährlich organisierten kulturellen Austausch auch die Vorlage von Verwendungsnachweisen über die geflossenen Mittel, zentrale Förderungen um die das Forum seit seiner Gründung 2005 konsequent gestritten hatte.

 

Ausgesprochen zufrieden kann sich das Forum mit der Bilanz für das Jahr 2012 zeigen. Das Konzept für das aufwendig und langfristig geplante Projekt "Energiewende-Messe Geesthacht 2012" ist aufgegangen. Es erwies sich mit über 40 zufriedenen Messeausstellern, überzeugenden Referenten und einem abwechslungsreich gestalteten „Markt der Möglichkeiten“ als voller Erfolg. Dieser Erfolg hat die Verantwortlichen motiviert, zeitnah Gespräche über die Zukunft der Messe in zwei Jahren zu führen und das genannte Energienetzwerk für den Kreis Herzogtum Lauenburg aktiv zu planen und vorzubereiten.

 

Manfred Harms