Kultur- und Umweltwochen eröffnet

Dr. Franz Alt hat mit seiner „Anleitung zum Glücklichsein“ am Freitag den Festvortrag gehalten –und die Zuhörer im vollen Rokokosaal im Kreismuseum zum Nachdenken und Lachen gebracht.

 

Ratzeburg

Leben. . . Kann es ein wichtigeres Thema geben? Die Frage stellt das Forum für Kultur- und Umwelt im Kreis Herzogtum Lauenburg. Die elften Kultur- und Umweltwochen unter dem Motto „Leben in der Linse“ hat Dr. Franz Alt am Freitag im Rokokosaal des Ratzeburger Kreismuseums eröffnet.

Dass kaum ein Stuhl frei blieb anlässlich dieses Festvortrages dürfte dem Namen und dem Ruf des Journalisten und Philosophen aus Baden-Baden geschuldet sein. Seit mehr als 50 Jahren ist der streitbare Denker als politischer Journalist tätig. Einige der Zuhörer erlebten ihn nicht zum ersten Mal live – auch beim Forum für Kultur- und Umwelt war er schon zweimal zu Gast.

Wenn Leben gelingt. Anleitung zum Glücklichsein: So hat Alt seinen Vortrag überschrieben. Und er hatte seine jüngste Publikation dabei: ein Büchlein mit eben dem Titel. Gleich zu Beginn seines Vortrages zitierte er Albert Schweitzer. „Ich bin Leben, das leben will, inmitten von Leben, das leben will.“

Unser Leben ist endlich

Schon heute, so Alt, leben 7,6 Milliarden Menschen auf der Erde, und noch werden es immer mehr. „Je mehr Menschen auf einem Planeten leben, desto schwieriger wird das Zusammenleben.“ Für Alt eine logische Schlussfolgerung: „Alles ist endlich. Unser Leben, aber auch die Ressourcen, das Wirtschaftswachstum.“

Auch wenn er Deutschlands größte Boulevardzeitung zitierte, die titelte „So gold ging’s uns noch nie“ –und dabei betonte, dass er sonst nie gleich eingangs dieses Blatt zitiere -, so nutze er das doch nur, um den Zuhörern eindringlich ins Gewissen zu reden.

Charmant, aber auch angriffslustig

Mehr als zwei Stunden lauschten die Zuhörer gebannt. Alt zog alle Register seines beachtlichen und beeindruckenden Könnens. Er sprach weitgehend frei, er zeigte sich eloquent, charmant und geistreich, witzig, wie auch ernst und in einigen Punkten sehr angriffslustig.

„Wir Leben auf Kosten von Tieren und Pflanzen“, sagte er. Zahlen, wie viele Tier- und Pflanzenarten der Mensch jährlich ausrottet, schüttelte er aus dem Ärmel. Er sprach von der Lebensberechtigung der Tiere und der Pflanzen und betonte: „Das Ausrotten von Biodiversität ist ein Selbstmordprogramm.“

Ehrfurcht vor dem Leben

Wir können nicht so weitermachen: Das gab Alt den Ratzeburgern mehrfach mit auf den Weg. „Geistig, spirituell, religiös und kulturell können wir unendlich wachsen. Zahlenmäßig? Nein!“ Und noch einmal zitierte er Albert Schweitzer: „Das Geheimnis des Lebens ist die Ehrfurcht vor dem Leben.“

Für den Referenten die perfekte Überleitung zum Trump, Putin, Kim. „So lange wir von solchen Menschen regiert werden bleibt die Welt ein unsicherer Ort.“ Bei der Gelegenheit bekam die Vorsitzende der SPD auch noch eine Watsche ab: „Die hat heute öffentlich gesagt, die Grüne seien Spinner, weil sie den Klimaschutz wollen. Das ist doch völlig verrückt! Und niemand widerspricht Nahles!“

Homo Dummkopf

Klima, sagte Alt, ist die Voraussetzung unseres Lebens. Das gelte es zu schützen, den Klimawandel jetzt sofort einzuleiten. Das, und, ein weiteres Lieblingsthema des 1938 Geborenen, die Abschaffung der Atomwaffen. „Wir sind vernunftbegabt? Wir waren so schlau, die Atomwaffen zu erfinden. Aber wir sind zu doof, sie wieder abzuschaffen. Homo sapiens? Nein: Homo Dummkopf.“

Jetzt aufwachen, jetzt umdenken. Jetzt Klimawandel, jetzt Atomwaffen, ach: überhaupt Waffenstopp. Das fordert Alt, der für die Menschheit einen Weg sieht raus aus dem Leben in Angst.

Am Glück kann man arbeiten

Wenn Leben gelingt. Anleitung zum Glücklichsein: Wer Alt glaubt – und liest – kann viel bewirken. Nicht umsonst heißt es „jeder ist seines Glückes Schmied“. Zum Glücklichsein gehöre vorrangig, weitgehend frei zu sein und frei entscheiden zu können, sagt Alt. Am Glück könne man arbeiten, besonders häufig gemachte Fehler ließen sich durch Achtsamkeit vermeiden.

Und auch, wenn der Redner und Buchautor betont hatte, „die Flut an Achtsamkeitsbüchern hat die Welt nicht glücklicher gemacht“, so gab es doch im Anschluss an den Vortrag ein reges Interesse an dem Büchertisch mit einer großen Auswahl seiner Bücher – und an einem Austausch über das eben Gehörte.

Dorothea Baumm

 

Kultur- und Umweltwochen eröffnet
LN_Pressebericht vom 03.09.2018.pdf
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