Frontalangriff auf Kulturförderung:

Forum dringt auf neue Strukturen

02. Juni 2007

Das Forum für Kultur und Umwelt übt weiter Kritik an der Kulturförderung. „Geradezu mittelalterlich" anmutende Strukturen müssten verschwinden.

 

Von Martin Stein

 

RATZEBURG / MÖLLN - „Bericht des Forums für Kultur und Umwelt" hieß es schlicht auf der Tagesordnung, aber was die Mitglieder des Kreisbildungsausschusses zu hören bekamen, war eine Generalabrechnung mit der Kulturförderung im Kreis Herzogtum Lauenburg. Dr. Werner Budesheim und Hans-Heinrich Stamer nutzen die Sitzung im Alten Kreishaus, um sich im Namen ihrer Mitgliedsverbände massiv über die vorhandenen Strukturen zu beschweren und die Rücknahme eines Kreistagsbeschlusses vom Dezember 2004 zu fordern. Damals setzte die CDU- Mehrheitsfraktion durch, dass die Stiftung Herzogtum Lauenburg zentrale kulturelle Aufgaben für die Kreisverwaltung übernimmt.

 

Zu Wort im Kreisbildungsausschuss kam das Forum aufgrund einer Initiative der Grünen, nach dem vor kurzem dort die Stiftung Herzogtum Lauenburg ihren Jahresbericht erläutert hatte. Budesheim und Stamer legten den Politikern nun Informationen zu ihrem Programm „Knick in der Linse" von 2006 vor und erläuterten ihr neues Vorhaben „Bach in der Linse" für den kommenden September. Das blieben jedoch eher Randnotizen angesichts der massiven Kritik des Forums.

Nach seiner Ansicht ist die Struktur der Kulturforderung „durch den von der CDU-Mehr-heit dominierten Kreis über die Stiftung unmodern. Sie mutet gradezu mittelalterlich an. indem hier ein kulturelles Feudalsystem geschaffen worden ist mit einer Gutsherrschaft im Stadthauptmannshof, gelegten Bauern (die Vereine, denen man die Mittel strich) und Lehensabhängigen (Künstler, die auf Ausstellungsmoglichkeiten und Auftritte angewiesen sind). Es fehlen demokratische Strukturen, Transparenz über Entscheidungen und über die tatsächliche Verwendimg der Gelder". Mit der Stiftung habe das Forum kein Problem, sagte Stamer, sie sei selber ein Opfer der schlechten Förderstruktur.

 

Die Reaktionen der Politiker auf die heftigen Vorwürfe waren höchst verschieden. Während der Ausschussvorsitzende Frank-Detlef Meixner (CDU) zu vermitteln versuchte, sprach Herbert Gröber (CDU) von einer Provokation, und Nils Braun (CDU) erinnerte an die frühere unbefriedigende Förderpraxis. Annedore Cranz (Grüne) regte eine Moderatorenrolle der Politik zwischen Stiftung und Forum an, und Egon Siepert (SPD) vertrat ebenfalls die Meinung, dass sich an den Förderstrukturen nichts ändern werde, wenn der Kreistagsbeschluss zur Einbindung der Stiftung bestehen bleibe. Martin Turowski (FDP) schlug vor, Meixner sollte sich mit Vertretern des Forums und der Stiftung zu einem klärenden Gespräch treffen. Zu einem Beschluss oder einer Absprache kam es in der Sitzung nicht.

Mitglied im Forum für Kultur und Umwelt sind unter anderem die Freie Lauenburgische Akademie, der Bund für Umwelt und Naturschutz sowie der Lauenburgische Kunstverein.

Foto: MST

Hans-Heinrich Stamer (re.) und Dr. Werner Budesheim vom Forum für Kultur und Umwelt trugen im Kreisbildungsausschuss ihre Kritik an den Strukturen der lauenburgischen Kulturförderung vor.